Osijek - die größte Stadt Ostkroatiens - ist ein wichtiges politisches, kulturelles und Universitätszentrum, das sich am rechten Ufer des Flusses Drau, 20 km von seiner Mündung in die Donau entfernt befindet. Zu den römischen Zeiten hat Osijek große strategische Bedeutung gehabt.
Die Festung von Osijek und mehrere Gebäude in der Nähe des Hauptplatz- es gehören zu den wertvollsten barocken Stadtkernen in Kroatien, und in der oberen Stadt findet man viele Bauten aus der Zeit des Historizismus und der Sezession. Osijek ist der Anfangspunkt für die Touristen, die die attraktive Region von Baranja (das Gebiet zwischen der ungarischen Grenze, Drau und Donau) mit der Stadt Beli Manastir und dem berühmten Kopacki rit besuchen wollen.
Das, was Osijek in dem heutigen Sinn des Wortes ausmacht, ist wahrlich neu- eren Datums. Die größten und ältesten Stadteinheiten Tvrđa, Obere und Untere Stadt entwickelten sich bis zu dem Jahre 1786 als selbständige Gemeinden. Osijek war in Hinsicht auf die Verwaltung das Zentrum Slawoniens. Die Stadt erhielt ihre Satzung im 17. Jahrhundert und von da an hat sie ihre Verwaltung, wie auch die anderen mitteleuropäischen Städte, entwickelt. Als im Jahre 1779 die Stadt eine neue Holzbrücke über der Drau und die Straße, die Osijek mit Bilje verbindet, eröffnet wurde, wurde eine neue Kommunikationslinie durch die gesamte Region, einschließlich des weiteren europäischen Gebietes, geöff- net. Osijek gewinnt an Bedeutung und während des 19. Jahrhunderts beginnt sie sich, mit der Oberen Stadt als neues Verwaltungs-und Handelszentrum, rasant zu entwickeln.
Im Jahre 1884 wurden Straßenbahnschienen ausgebaut, die über Tvrđa die gesamte Untere Stadt mit der Oberen verbunden haben. Im neuen Stadtzentrum entstehen weite Straßen mit schönen, repräsentativen Häusern, an welchen alle stilistischen Merkmale der Bauzeit zu erkennen sind.
Das gilt vorallem für die Hauptstraße der Stadt, heute Europaavenue genannt, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden ist. Auf der südlichen Seite der Straße befindet sich eine Anzahl großer selbständiger Bauten öffentlichen Charakters, angefangen von der Handelskammer über dem Gericht bis hin zur Post.
Ihnen entgegengestellt wurden schöne Familienpaläste mit entwickelten Merkmalen des Historizismus und der Sezession gebaut. Es ist wichtig, hervorzuheben, daß der Großteil dieser Bauten von heimischen Architekten, die sich in Wien, Budapest und Deutschland geschult haben, projektiert worden ist, und sie so ihre Stadt auf direktester Weise mit Mitteleuropa verbunden haben. In der Zwischenkriegszeit entstehen neue Stadtteile, und der funktionalistische Stil in der Osijeker Architektur zeigt ebenfalls große Reichweiten. Die Architektur ist dennoch nur eine schöne Bühne, auf welcher das wahre Leben stattfindet.
Das wahre Leben in Osijek entdeckt ein hoch entwickeltes urbanes Bewußtsein ihrer Bürger, das heute, wie auch gestern, in winzigen Details zu erkennen ist, wie zum Beispiel in Geschäften, Restaurants, Kaffeehäusern, Stadtgrünflächen, im Benehmen der Leute und ihren Bedürfnissen. Man sagt den Osijekern Heiterkeit und Offenheit nach, niemals aber, daß sie aufdringlich oder übertrieben laut wären, sondern immer entgegenkommend und allmählich gutmütig sind.
Die Geschehnisse im Heimatkrieg haben gezeigt, daß in all diesem ein Funken Wahrheit steckt, aber es ist hier etwas viel wichtigeres ausgelassen worden, und das ist der Stolz der Osijeker auf ihre Stadt. Wahrlich, die Osijeker sind stolz, aber niemals eitel. Das Stadtzentrum ist die beste Bühne, auf welcher der Geist der Bürger zu erkennen ist.
